Muss sich schuldig fühlen, wer keine Arbeit findet? Muss die Wirtschaft Arbeitsplätze erfinden? Zur Zeit sind in der Schweiz etwa 170'000 Personen als Arbeitslos angemeldet. Dazu kommen zehntausende, die jedes Jahr ausgesteuert werden und so nicht mehr in den Statistiken über die Arbeitslosigkeit auftauchen. Dem gegenüber gibt es aktuell etwa 10'000 freie Stellen.
Während die Betriebe versuchen ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern, werden logischerweise immer mehr Menschen entlassen. Gerade in einem System wo von Menschen verrichtete Arbeit versteuert werden muss, ist es natürlich, dass immer mehr Arbeit von Maschinen verrichtet wird. Um konkurrenzfähig zu bleiben, werden Abläufe optimiert und Personal reduziert.

Wenn die Arbeitsproduktivität immer mehr steigt und die Wirtschaft nicht im gleichen Masse wächst, sind Arbeitslose die logische Konsequenz dieser Entwicklung. Im Grunde könnte die geleistete Arbeitszeit auf mehr Arbeitnehmer/Innen aufgeteilt werden. Leider ist eher das Gegenteil der Fall, die Arbeitszeit der Einzelnen wird eher erhöht als verringert.
Immer noch haben viele Arbeitslose ein schlechtes Gewissen, wenn sie keinen Job finden. Nach wie vor liegt das Ideal von Erwerbstätigkeit bei einem Pensum von ungefähr 40 Wochenstunden. Es ist jedoch eine Utopie, dass es für jeden erwerbsfähigen Menschen eine solche Arbeit gibt. Vor dieser Wahrheit verschliessen die Meisten die Augen. Der Sinn und die Aufgabe der Politik ist nicht, am überholten, nicht mehr funktionierenden System festzuklammern und herumzuflicken. Leider wird die Lösung nach wie vor in der Schaffung von Arbeitsplätzen zu gesucht und die Knappheit der freien Stellen wird von den Arbeitgebern als Druckmittel missbraucht, um die Ansprüche an Leistung und Flexibilität der einzelnen Arbeitnehmer zu erhöhen.
Es ist an der Zeit, zu überlegen, wie die vorhandene Arbeit auf die Bevölkerung zu verteilt werden kann, so dass alle etwas von den zur Genüge produzierten Gütern haben. Wenn es immer weniger Arbeitsplätze im Verhältnis zur Bevölkerung gibt, darf der Wohlstand der Allgemeinheit nicht mehr stur an Erwerbsarbeit im herkömmlichen Sinne gekoppelt bleiben.